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Kontext

Wie sehr Bühnenbild und Architektur gleichermaßen von der Idee des Inszenatorischen bestimmt sind, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass viele Architekten auch begnadete Bühnenbildner sind und waren: Karl Friedrich Schinkel, Hans Poelzig, Fritz Schumacher und viele mehr. Sie stehen für die enge Verbindung
zwischen der Architektur und ihrer ephemeren Schwester, die vergängliche Bühnenbildkunst. Für den Architekten Schinkel z.B. stellte die Beschäftigung mit dem Bühnenbild fast sein ganzes schöpferisches Leben hindurch eine wichtige Aufgabe dar.

In der gegenwärtigen Architekturausbildung steht das Bündnis mit der Technologie meist im Vordergrund, und der Bereich Bühnenbildkunst wird leider zu oft unterschätzt und vernachlässigt, obwohl sich dieser Bereich auch als reale Berufsperspektive und als spannendes Tätigkeitsfeld darstellt, wie mir viele
Absolventen im Nachhinein bestätigen.

Das inszenatorische Motiv der gegenwärtigen Architekturauffassung drückt in dem Begriff der Performativen Architektur seine vielfältige Bedeutung aus. Zeigen doch gerade die kulturellen und stilistischen Wandlungen der Künste (auf den Theaterbühnen) und in der Architektur gleichermaßen eindrucksvoll
ihre Verwandtschaft und ihre Ausdruckmöglichkeiten.

Der theatralische Raum ist ein performativer Raum, ein dienender Raum, der sich darstellt. Dieser Raum darf und soll erzählen, Gefühle auslösen, Sinnlichkeit provozieren. Er weist in seinem Wesen und seiner Ausstrahlung darauf hin, was von ihm erwartet wird und in welchem Nutzen er steht: Tanz,
Schauspiel und Musik. Die performative Architektur als Schnittstelle zur Kunst bietet viele Ausdrucksmöglichkeiten.

Im Bühnenbild treffen sich viele künstlerische Disziplinen wie Musik, Literatur, Schauspiel und Tanz, Malerei und Architektur zu einem Gesamtkunstwerk. Nicht umsonst erwähnte ein bekannter Regisseur, dass das Bühnenbild jenes Bild sei, das der Besucher letztlich mit nach Hause nähme.

Die Geschichte des Theaterbaus beginnt beim griechischen Theater. Das „shakespearesche Theater“ kam ohne Bühnenbild, nur mit Requisiten aus. Vom „Guckkastentheater“ hin zum „Illusionstheater“, hin zur Stilbühne und ab dem 19. Jahrhundert auf die expressionistische Bühne. Das gegenwärtige Theater
und die Erfindung des „leeren Raums“ haben größtenteils Anleihen und Einflüsse aus der bildenden Kunst, wie z.B. das minimalistische Theater.

Innerhalb der Bachelor- und Masterabschlussarbeiten geben wir Themen heraus, in denen das Bühnenbild einen besonderen Platz einnimmt. Bezogen auf die Entwürfe, denen Sie in diesem Buch begegnen, wäre zu sagen, dass es sich meist um BAC- oder MA- Abschlussarbeiten handelt. Über ein Methodenspiel
finden die Studierenden zu Form und Konzept.

Als Gastreferenten konnte ich bisher die Theatertherapeutin Katharina Von Gallwitz, die Szenografen Lena Lukjanova und Ric Schachtenbeck und Ilka Licht gewinnen, die ihr künstlerisches Oeuvre den Studierenden vorstellten. Zum Bühnenbild-Entwurf zu Aroidante, erhielten wir von dem Musikdramaturgen
Michael Dühn, wertvolle Hinweise und Kenntnisse zum Verhältnis von Musik und Atmosphäre.

Über Referate und spezifische Haltungen bekannter Bühnenbildner, sollte sich jeder Studierende individuell Inspiration und Kenntnisse erarbeiten.

Für die Kolloquien konnte ich den Ausstattungsleiter des Theater Aachens, Detlev Beaujean, sowie den Dramaturgen und Regisseur Lukas Popovic gewinnen, die den Studierenden wertvolle Erkenntnisse, Erfahrungen und Inputs vermitteln konnten. Insbesondere die Besichtigung und die Führung mit Lukas Popovic
durch das Theater Aachen mit seinen Einrichtungen „vom Dach bis zum Keller“, offenbarten die Komplexität eines Theaterhauses.

Auf Schloss Wahn, wo die theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität Köln untergebracht ist, führte uns Dr. Gerald Köhler Originalentwürfe aus verschiedenen stilistischen Phasen und Epochen vor, und eröffnete damit bei den Studierenden ein immenses Inspirationsfeld. Diese Kollaborationen
stellten sich als ausgesprochen fruchtbar und ergiebig für die Entwurfsarbeit heraus, von deren Ergebnissen hier eine Auswahl sichtbar wird.

Die methodischen und szenografischen Beispiele, die hier aufzeigt werden, Lehrmodelle und sollen den Studierenden in die Lage versetzen, auf Grund selbstgewählter und begründbarer Kriterien, komplexe ästhetische Systeme zu organisieren. Gegenüber scheinbar festetablierten Gestaltungsnormen, soll
des Weiteren experimentelle Neugier und Beweglichkeit vorausgesetzt, und auch die ästhetische Entscheidungsfähigkeit gefördert werden.

Denn alles zielt auf die Ausbildung kreativer Verhaltensweisen, die für den Architekten unverzichtbar sind.

How equally stage design and architecture are determined by the idea of the directorial, can not only be seen by the fact that many architects have been highly gifted stage designers: Karl Friedrich Schinkel, Hans Poelzig, Fritz Schumacher and many more. They represent the close connection between architecture and its ephemeral sister, the fading stage design arts. For the architect Schinkel, for instance, the involvement with stage design figured prominently almost for his whole creative life.
In the contemporary architectural education, the connection with technology is often in the focus, unfortunately underestimating and neglecting the area of stage design art although this area represents a real professional perspective and an exciting field of activity, as many alumni confirmed this to me.

The directorial motif of the contemporary perception of architecture expresses its diverse meaning with the help of the term “performative architecture”. That is although the cultural and stylistic changes of arts (on theater stages) and in architecture equally show their relatedness and means of expression in an impressive way.

The theatrical room is a perfomative room, a serving room that illustrates itself. This room may and should tell stories, evoke feelings, provoke sensuality. In its entity and its presence, the room points out what is expected of it and what its purpose is: dancing, acting and music.The performative architecture as a interface for arts offers many possibilities of expression.

In the stage design, many artistic disciplines like music, literature, acting and dancing, painting and architecture meet, resulting in a total artwork. Not for nothing, a known director mentioned that the stage design is the image that stays in the visitor's mind.
The history of theatre building has its roots in the Greek theatre. The ''Shakespearean theater'' did not have a stage design but only props. From the ''peep-box theatre'' to the ''theater of illusion'', up to the stylized theater and from the 19th century to the expressionistic stage. The contemporary theater and the invention of the ''empty room'' mainly got its influences from the visual arts, for example the minimalistic theatre.

In the context of final theses for Bachelor and Master students, we offer topics where the stage design occupies an important place. Based on the drafts you will encounter in this book, it is important to note that they often are final theses. With the help of a play of methods, students find their way to form and concept.

I was able to have the dramatherapist Katharina von Gallwitz, the scenographer Lena Lukjanova and Riv Schachtenbeck as guest speakers who presented their artistic oeuvre to the students. For the stage design’s draft for Aroidante, we received valuable advice and knowledge concerning the relation of music and atmosphere from the musical dramaturg Michael Dühn.

With the help of prepared talks and specific approaches of famous stage designers, every student was supposed to work out inspiration and knowledge individually.

For the colloquia, I was able to recruit the equipment head of Aachen's theatre, Detlev Beaujean, as well as the dramaturg and director Lukas Popovic. These two experts were able to impart valuable insights, experiences and inputs to the students. Especially visiting Aachen's theatre with its institutions “from roof to the basement” guided by Lukas Popovic revealed the complexity of the theatre.

At castle Wahn, which contains the University of Cologne’s collection of theatre sciences, Dr. Gerald Köhler lead us to original drafts from different stylistic periods and established an enormous field of inspiration for the students. These collaborations were very effective for the work on the drafts which are partly visualized here.

The methodological and scenographic examples shown here and the models of teaching are supposed to enable the student to organize complex aesthetic systems based on self-chosen and reasonable criteria. Furthermore, as opposed to seemingly well-established norms of design, experimental curiosity and flexibility should be required and the aesthetic decision-making ability should be promoted.

All this aims for the training of creative behavior which is crucial for the architect.





Univ. Prof. grad. Des. Michael Schulze

Univ. Prof. grad. Des. Michael Schulze

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