Berliner Blätter 1976-84

Berliner Blätter, 1976–1984
Radierungen und Lithographien, Mappenedition, 15 Exemplare

Die „Berliner Blätter“ markieren eine entscheidende Werkphase. In ihnen verdichtet sich der Übergang von den persönlichen Porträts und surrealen Fantasien der frühen Jahre hin zu einer universelleren, gesellschaftskritischen Bildsprache.

Die Blätter sind bevölkert von grotesken Gesichtern, hybridisierten Körpern, Figuren in Rüstungen, anatomischen Versatzstücken und maschinenhaften Prothesen. In dieser Welt begegnen sich Mensch und Mechanik, Intimität und Macht, Karikatur und Allegorie. Die groteske Überzeichnung ist nicht nur Mittel der Satire, sondern auch ein Verfahren des Erinnerns: Gesichter und Körper speichern die Zeichen ihrer Zeit.

Damit erscheinen die „Berliner Blätter“ bereits als Vorläufer des späteren Konzepts KOLLEKTIVGEDÄCHTNIS. Was hier noch im Medium der Druckgrafik als individuelle Maske, als politisch aufgeladene Fratze oder als allegorische Gestalt auftritt, wird in den aktuellen Arbeiten weitergedacht: Das Gesicht als Ort der kollektiven Erinnerung, der über die Biografie hinausweist und Geschichte in sich trägt.

So erweisen sich die Berliner Blätter nicht nur als eigenständige, meisterhafte Serie, sondern auch als Bindeglied zwischen der biografischen Introspektion der frühen Jahre und den gegenwärtigen Überlegungen zur Form des Gedächtnisses in der Kunst.

Dr.Pelle Solus

  • OFFENHEIT TRIFFT
    VERSCHLOSSENHEIT
     
    Radierung
    H ca. 40 cm
    1976