Geschichten zum Selbstbauen, 1982
Mappe mit 9 Radierungen
Ätzradierungen auf Zinkplatten, je ca. 27 × 22 cm
Gesamtauflage 25 Exemplare, zusätzlich Einzelblätter je ca. 18–20 Exemplare
Die Mappe „Geschichten zum Selbstbauen“ versammelt neun Radierungen, die wie Bausteine einer offenen Narration wirken. Jedes Blatt ist eigenständig, zugleich aber auch Teil eines größeren Zusammenhangs. Figuren, Maschinenfragmente, hybride Körper und groteske Szenen begegnen sich in wechselnden Konstellationen. Je nach Kombination ergeben sich immer neue Lesarten – von absurden Maschinenfantasien über surreale Maskenspiele bis hin zu visionären Allegorien.
Die Titelwahl deutet bereits auf den Charakter dieser Arbeiten hin: Nicht eine einzige Geschichte wird erzählt, sondern ein Materialvorrat an Bildern angeboten, aus dem sich der Betrachter eigene Geschichten zusammensetzen kann. Damit greifen die Blätter spielerisch die Idee von Erinnerung und Identität als etwas Konstruiertes und Veränderbares auf – ein Gedanke, der im späteren Werk im Konzept des KOLLEKTIVGEDÄCHTNIS wiederkehrt.
Die Technik der Ätzradierung auf Zinkplatten ermöglicht dabei eine feine Linie, die zwischen minutiöser Zeichnung und expressiver Geste oszilliert. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Strenge und Improvisation, zwischen technischer Präzision und grotesker Überzeichnung.
Dr. Pelle Solus