Holocaust-Denkmal Berlin, 1994

Erläuterungsbericht: Teilnehmer 1112

RAUM DER VERTIEFUNG

Am Anfang stand die Frage: Kann es überhaupt eine Form geben, die dem Ausmaß von Gräuel, menschlicher Tragödie und sadistischen Strategien des Holocaust gerecht wird? Was bleibt, ist tiefe Trauer und Scham – und zugleich die Herausforderung, einen Ort zu schaffen, der diesen Gefühlen Ausdruck verleiht und Raum für Aufklärung bietet, damit sich Vergleichbares nie wieder ereignet.

Aus dieser Überlegung heraus richtet sich der Blick auf elementare Formen. Statt der in der Denkmals Tradition dominierenden vertikalen, „gotischen“ Geste wird das Prinzip umgekehrt: Nicht das Aufragen, sondern die Negativform – ein Loch. In seiner scheinbaren Banalität bündelt es vielfältige Assoziationen und wird zum zentralen Gestaltmotiv.

Das Loch als räumliche Figur stiftet Respekt und Autonomie; je tiefer es wird, desto stärker sein Sog. Es fordert Achtsamkeit ein. Für mich ist es ein Symbol, das die Ambivalenz von Leben und Tod sichtbar macht und auf existentielle Grenzsituationen verweist. Über der Tiefe brennt eine Flamme – Zeichen der Erkenntnis. Der Ort dient der Sammlung, der Meditation, der dauernden Gegenwärtig Haltung des Geschehenen.

Ein Raum, der den statischen Momenten entgegenwirkt, denen Denk- und Mahnmäler durch Gewöhnung oder Vergessen oft ausgesetzt sind. Ein Raum, der der Kunst in ihrer Vielfalt Platz für wechselnde Beiträge bietet (im Galeriebereich des inneren oberen Kreisrings), begleitet von Tagungen und Veranstaltungen in weiteren Bereichen des Gebäudes, die sich mit der Thematik des Holocaust auseinandersetzen. Angesichts der Komplexität des Themas und der Verantwortung für eine angemessene Vermittlung erscheint es notwendig, zusätzliche Räume vorzusehen: für ein Archiv, umfassende Dokumentationsmöglichkeiten, einen Medienraum oder ein Kino sowie einen Gastraum mit Café. Nur in einer beweglichen Verbindung von Erinnerung, Reflexion und Aufklärung kann dieser Ort seine Wirkung entfalten.Ein Raum, der, um statischen Momenten entgegenzuwirken, denen Denk- und Mahnmäler durch Gewöhnung oder Vergessen leider oft unterliegen; der Kunst, in ihrer Verschiedenartigkeit, Platz für wechselnde Beiträge geben könnte, (Galeriebereich im inneren oberen Kreisring) begleitet von Tagungen oder Veranstaltungen im anderen Teil des Gebäudes, die sich mit der Thematik des Holocaust auseinandersetzen. Aus Gründen, die in der Komplexität des Themas und der angemessenen verantwortlichen Vermittlung und Didaktik liegen, halte ich es für wichtig, das Räumlichkeiten vorhanden sind, in denen evtl. ein Archiv untergebracht ist; ausgiebig Dokumentationsmöglichkeiten bestehen; eine Medienraum/Kino betrieben wird und ein “Gastraum-Cafe“ existiert. Nur in einer mobilen Kombination von Gedanken und Aufklärung kann dieser Ort wirken.

 

 

Innenansicht: RAUM DER VERTIEFUNG,
1994, Bleistift, Kohle, Pastell, 42 X 59 cm
Nachtansicht: “Denkmal für die ermordeten Juden in Europa”
1994, Bleistift, Kohle, Pastell, 42 X 59 cm
Außenansicht: “Denkmal für die ermordeten Juden in Europa“,1994, Bleistift, Buntstift, Pastell
Schnitt zu “RAUM DER VERTIEFUNG” , Berlin, 1994 Berlin, 1994

Seitenansicht “RAUM DER VERTIEFUNG” , Berlin, 1994 Berlin, 1994

Ortslage zu “RAUM DER VERTIEFUNG” , Berlin, 1994 Berlin, 1994

Modell Außenansicht