Trauriger Brunnen

TRAURIGER BRUNNEN
Temporäres Projekt zur Ausstellung: Mythos Berlin, 1986

Der „Traurige Brunnen“ war als monumentales Relikt für den historischen Ort des Anhalter Bahnhofs gedacht. Das zentrale Element: ein übergroßes Wasserrad (Durchmesser 6–8 Meter), gespeist von blutrotem Wasser.

Wie eine Reliquie nimmt die Arbeit ihre Bedeutung aus den Schichten der Vergangenheit auf: aus dem Lärm, dem Rauch und den stampfenden Silhouetten der Züge, aus den flüchtigen Momenten von Ankunft und Abschied, aus den Tränen der Reisenden und der harten Arbeit der Menschen, aus dem Rhythmus der Maschinen – und schließlich aus der Zerstörung des Bahnhofs.

Das Rad treibt einen unaufhörlichen Kreislauf an, in dem sich das Blutrote mit dem Fließenden des Wassers verbindet: Sinnbild für den Schweiß der Arbeit, die Tränen des Abschieds und das Blut der Gewalt, das sich unauslöschlich in die Geschichte eingeschrieben hat.

Der Brunnen trägt das Fernweh einer „Reisemaschine“ in sich. Er erzeugt einen beständigen Fluss von Träumen – Aufbruch, Wiederkehr, Verlust – und tritt dabei doch auf der Stelle.

So wird der „Traurige Brunnen“ zu einem Denkmal des Reisens und zugleich zu einem Mahnmal für die Wunden der Vergangenheit.

TRAURIGER BRUNNEN, 1986, Collage gehöht, 29×36 cm

Relief zum TRAURIGEN BRUNNEN, 1987, 90×75 cm
Modell zum TRAURIGEN BRUNNEN(1:20), 1985/86, 44,5×95 cm