Das „Familienbild“ (Triptychon, 1978/79) ist ein großformatiges Werk, das sich deutlich von konventionellen Darstellungen des Themas absetzt. Statt idyllischer Geborgenheit oder harmonischer Zusammengehörigkeit zeigt es Spannungen, Brüche und ein Ensemble von Symbolfiguren.
Links erscheint eine Frau mit Papagei, nackt und von einer eigenartigen Geste durchzogen, die sowohl Schutz als auch Selbstbefragung signalisiert. Rechts steht ein alter Mann mit gesenktem Blick, dessen Mimik zwischen Trauer und innerer Einkehr schwankt. In der Mitte entfaltet sich eine Prozession von Porträts und Figuren, die wie Spiegelungen oder Generationenfolgen wirken – ein visuelles Echo familiärer Erinnerung, Abstammung und Wiederholung.
Das Werk verbindet Elemente des kritischen Realismus mit surrealen Überhöhungen. Die Figuren sind präzise gemalt, ihre Anordnung jedoch bewusst theatralisch und verfremdend. Kunsthistorisch lässt sich das Bild in eine Linie der späten 1970er Jahre einordnen, in der Maler*innen erneut zu erzählerischen, figürlichen Bildlösungen griffen, um gesellschaftliche und psychologische Themen zu fassen. Zugleich erinnert die dramatische Schichtung an Bildtraditionen des Triptychons seit der Renaissance, wobei hier nicht religiöse Heilsgeschichte, sondern eine säkulare, konflikthafte Familienexistenz ins Zentrum rückt.
Inhaltlich deutet das Werk auf die Fragilität familiärer Rollen und auf die Spannungen zwischen Individuum, Herkunft und gesellschaftlicher Zuschreibung. So wird das „Familienbild“ zu einer kritischen Allegorie der privaten wie kollektiven Lebensrealität der 1970er Jahre.
Dr. Pelle Solus
Skizzen zum FAMILIENBILD, 1977
Erste Variante zu Familienbild, Oel auf Leinwand, ca. 120 x 140 cm
FAMILIENBILD (Triptychon), 1978/79, Öl auf Nessel, 120×250 cm
Die „Selbsternannte Königin“ (1976) ist eine frühe Arbeit, in der sich bereits zentrale Themen seines Schaffens zeigen: Macht, Projektion und Konflikt. Die überdimensionierte Frauenfigur mit ihrem medusenartigen Haar füllt die Bildfläche und dominiert die beiden kleineren Männerporträts, die an den Rändern erscheinen. Mit Öl und Buntstift auf Karton entsteht ein hybrider Ausdruck, der zwischen malerischer Fläche und zeichnerischer Schärfe oszilliert.
Kunsthistorisch bewegt sich das Werk zwischen kritischem Realismus und surrealer Übersteigerung. Die Physiognomien sind präzise beobachtet, zugleich aber in eine symbolische Überhöhung getrieben. Die „Königin“ verkörpert weniger ein individuelles Porträt als eine Allegorie familiärer Hierarchien und Machtansprüche. Der „Bruderkonflikt“ wird hier als psychodramatische Szene sichtbar: Die beiden Gesichter unterhalb wirken wie gefangen im Geflecht der übermächtigen Figur.
Damit reiht sich das Bild in die künstlerischen Auseinandersetzungen der 1970er Jahre ein, in denen persönliche und gesellschaftliche Machtstrukturen gleichermaßen kritisch befragt wurden.
SELBSTERNANNTE KÖNIGIN, 1976, Ölfarbe, Buntstift, auf Karton, 52×78 cm
Runde Sache, 1976
Das runde Bildformat rahmt ein spannungsvolles Doppelporträt: Im Vordergrund erscheint das ernsthafte Gesicht der Frau des Künstlers, detailgenau und mit psychologischer Präsenz dargestellt. Dahinter kontrastiert eine grotesk übersteigerte Fratze, die dem Bild eine surreale und karikaturhafte Note verleiht. Die Komposition lebt von der Gegenüberstellung von Intimität und Verfremdung und macht so persönliche Bezüge in einem allgemeineren Bildkontext sichtbar.
RUNDE SACHE, 1976, Acryl auf Nessel, Durchmesser ca. 70 cm