VERFOLGT VON MAX E. IM ROLLSTUHL 1980
Die Werkgruppe „Verfolgt von Max Ernst im Rollstuhl“ (1979/80) markiert einen entscheidenden Übergang: Von der malerischen Auseinandersetzung mit Groteske und Figur hin zu einer skulpturalen, mechanisch belebten Bildsprache. Die Erfahrungen aus den Super-8-Animationsfilmen, in denen durch Einzelbildtechnik Bewegung erzeugt wurde, finden hier eine konsequente Übertragung in den Raum.
Ausgehend von Schaufensterpuppen, Prothesen, mechanischen Fundstücken und Alltagsobjekten entstand eine Objektreihe, die Collage-Prinzipien in die dritte Dimension übersetzt. Besonders prägnant ist die Bezugnahme auf Max Ernst: Die an seine Skulptur Capricorn erinnernde Figur und der titelgebende „Rollstuhl“ machen das Werk zu einem Schlüsselstück. Das ironische, zugleich existenziell aufgeladene Motiv des „Verfolgtwerdens“ verbindet autobiografische Elemente, psychologische Erfahrungen und den obsessiven Gestus des Machens.
Zentrum der Installation ist der „Bettkasten“, das ehemalige Kinderbett des Künstlers, das als zugleich intimes wie mechanisches Element eine biografische Tiefenschicht eröffnet. Über Keilriemen, Antriebsräder und Elektromotoren sind die Figuren miteinander verbunden: der „Rollstuhl“, der „Veteran“ und der „Mutter-Erde-Kasten“ bilden ein Netzwerk aus organischen und mechanischen Relikten, das in Bewegung gesetzt wird – teils elektrisch, teils manuell wie ein Leierkasten.
In dieser Verbindung von Organik und Mechanik, von persönlicher Erinnerung und surrealem Humor, entsteht ein vielschichtiges Selbstporträt. Die Objekte verweisen auf das Erleben der Großstadt, die Entbehrung von Natur, aber auch auf eine Faszination für das Improvisierte, Collagierte und Erzählerische. Damit ist die Werkgruppe nicht nur eine Hommage an Max Ernst, sondern auch ein eigenständiger Kommentar zur künstlerischen Position der späten 1970er-Jahre: eine Synthese aus Dada, Surrealismus, Assemblage und autobiografischer Mythologie.
Dr. Pelle Solus
Aufbau im Atelier Lindowerstrasse, Berlin
Aufbau “GALERIE PHÖNIX”, Köln, 2013
Aufbau im Rehberge Park, Berlin, für den Film “Lokus Solus” nach Raymond Roussel.
“VETERAN”
“MUTTER-ERDE-KASTEN”, manuell-kinetisch
“CAPRICORN”
Relief zu “VERFOLGT VON MAX E. IM ROLLSTUHL”, 1980, manuell-kinetisch, 160×60 cm
Prozess und Zeichnungen
Aufbau im Atelier Lindowerstrasse, Berlin