Hammelkompressor

Hammelkompressor (1983)

Die Plastik Hammelkompressor verbindet einen Kompressor mit einem Hammelschädel zu einem Hybrid aus technischer Apparatur und organischem Relikt. Der Kompressor fungiert als energetischer Generator, der den Schädel in einen paradoxen Akt der „Neubelebung“ versetzt.

Auf Knopfdruck wird ein Pneu mit Luft gefüllt, der die räumliche Form des „Hammel-Kompressors“ nachbildet. Dabei bläst sich nicht nur die abstrakte Leiblichkeit auf, sondern auch die Zunge des Schädels selbst: ein groteskes, zugleich poetisches Bild des Atems, das sich zyklisch füllt, zittert, entleert und wieder in den leeren Zustand zurückfällt. So entsteht ein temporäres, atmendes Selbstporträt der Maschine – eine fragile, pneumatische Leibhaftigkeit.

Die verschiedenen Materialvarianten markieren eine Wende in der künstlerischen Praxis: weg vom barocken Überfluss der Mittel hin zu einer reduzierten, erkenntnisorientierten Form. Diese Reihung machte die Formidee deutlicher sichtbar und eröffnete neue, analytische Zugänge.

Die begleitenden Zeichnungen spielen dabei eine methodische Schlüsselrolle: Sie erfassen Übergänge zwischen organischem Fragment und mechanischer Struktur, eröffnen Spielräume des Denkens und verorten die plastische Transformation in einem erweiterten Bildkosmos.

So erscheint der Hammelkompressor als eine künstlerische Denkfigur, in der Technik, Körperlichkeit und Metapher verschmelzen: eine Maschine, die sich selbst belebt, indem sie ihr Bild und ihre Zunge in den Raum atmet.

Dr. Pelle Solus

Zu den Objekten und Zeichnungen:

  • Installationsansicht
    1983
    Materialvarianten
    je ca. 100 cm