Kammerjäger

Der Kammerjäger, der hier gemeint ist, ist nicht der Berufsgruppe der Vertilger von unliebsamem Kleingetier zugehörig, den man über die Telefonnummer 030/6634065 erreichen kann, sondern er ist eine Metapher. Er befindet sich auf einer Jagd im Raum und ist interessiert an den verschiedenen Erscheinungen der Dinge und Wesen, denen er auflauert.

Er vertilgt nicht, sondern er baut sich ein Bild von der Faszination eines Insektenflügels oder eines chitin-bedeckten Käferpanzers. Er ist gleichsam Sammler, der die subtilen Geheimnisse unter den Steinen sucht und diese wie Trophäen behandelt.

Das Projekt Kammerjäger eröffnet einen Kosmos hybrider Wesen, die zwischen Natur und Technik, Lebendigem und Totem oszillieren. Aus Alltagsfragmenten, Fundstücken und organischen Materialien entstehen Objekte, die zugleich Käferkörper, Maschinenfragmente und kultische Reliquien sind.

Ihre eigentliche Kraft liegt in der Verwandlung: Das scheinbar Leblose wird mit Bewegung, Rhythmus oder Anmutung beseelt. Schuhe mutieren zu Panzern, Helme zu Masken, Apparaturen entfalten Flügel. Hier kehrt ein animistisches Denken zurück, das Dinge nicht als stumm begreift, sondern als Resonanzkörper von Imagination und Erinnerung.

Der Kammerjäger erscheint dabei als doppelte Figur: Jäger und Bewahrer, Bannender und Beschwörender. Die mechanischen Bewegungen – Pendeln, Zittern, langsames Öffnen – sind zugleich Versuchsanordnung und Ritual. In ihnen verschmelzen Rationalität und Magie, Technik und archaische Geste.

So ist Kammerjäger mehr als eine Sammlung von Objekten: Es ist ein Denkmodell über die fragile Grenze zwischen Mensch und Ding, Natur und Artefakt. Es macht sichtbar, dass das Fremde nicht nur ausgelöscht, sondern auch als Spiegel unseres eigenen Daseins verstanden werden kann.

Entstanden ist auch eine Grafikmappe zu diesem Thema.