Die Installation EVA UND DER SCHLANGENTURM verbindet eine weibliche Aktfigur mit einem skulpturalen Ensemble aus Pappe, Gips und schlangenhautartig bedrucktem Papier. Ein 240 cm hoher Turm sowie kleinere, becherartige Formen bilden das Gegenüber der nackten Frau. Der Titel evoziert die biblische Szene des Sündenfalls, doch die Schlange erscheint hier nicht als Tier, sondern als architektonisch erstarrtes Monument.
Der Turm fungiert als phallisches Symbol wie auch als kultische Form: Bedrohung, Macht und Verführung werden in einem einzigen Ornament gebündelt. Eva hingegen entzieht sich der Rolle der lasziven Verführerin. Ihr neutraler Körper wirkt sachlich, beinahe dokumentarisch – sie wird zur Beobachterin, nicht zum Objekt.
Kunsttheoretisch verschränkt die Arbeit psychoanalytische und feministische Ebenen: Der Turm als Symbol von Begehren und Angst trifft auf eine weibliche Präsenz, die das phallische Monument kommentiert, statt ihm zu unterliegen. In der Spannung von Körper und Zeichen, Natur und Symbol, offenbart sich eine kritische Revision des Mythos: Eva erscheint nicht mehr als Sünderin, sondern als distanzierte Zeugin kultureller Projektionen.
Dr. Pelle Solus
SCHLANGENTURM, 2005, Pappe, Gips, lackiertes Papier, H 240 cm
EVA UND DER SCHLANGENTURM, 2005
Aus der Serie: “VERWANDLUNG ÜBER FÜNF BETT-EIER, 1989/90, diverse Materialien, H ca. 90 cm
Bewachung, ca, 1990, H ca. 125 cm