TACHO SAURUS
Schulze entwickelte eine Serie kinetischer, skulpturaler Objekte, die wie posthumane Tierwesen wirken – geschaffen aus mechanischen und industriellen Bauteilen. Diese Wesen tragen Gliedmaßen und Körperteile aus konkreten Industrie-Fundstücken, die morphologisch an biologische Strukturen erinnern – eine spannungsvolle Synthese aus Technik und Organik.
Die Skulpturen sind mit elektromechanischen Komponenten ausgestattet und bewegen sich teils eigenständig, was ihnen ein überraschend lebendiges, beinahe organisches Erscheinungsbild verleiht.
Inspiriert wurde Schulze unter anderem von Raymond Roussels Werk Locus Solus, insbesondere dessen Idee einer morphologischen Rekonstruktion fossiler wie technischer Lebensformen. Doch anstelle fossiler Überreste nutzt Schulze industrielle „Relikte“, die er zu neuen, künstlichen Lebewesen formt – als kritischen Kommentar zur Beziehung zwischen Zivilisation, Natur, Technik und Zukunft.
Der Name TACHO SAURUS verweist einerseits auf den Dinosaurier – Symbol einer vergangenen, ausgestorbenen Welt – und andererseits auf den „Tacho“ als Sinnbild für Technik, Beschleunigung und industrielle Kultur. Das „Auge“ des Tachometers (bis 120 km/h) wird hier zum Symbol für Wahrnehmung und Kontrolle.
TACHO SAURUS steht somit für ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Natur und Technik – Maschinenwesen, die durch künstlerische Neugestaltung zu imaginären Kreaturen werden und in ihrer Mechanik wie Bewegung zum Nachdenken anregen.
Die energetische Materialität und das transformierende Design spiegeln Schulzes Verständnis von konzeptueller Gestaltung und haptischer Erfahrung wider.
Dr. Pelle Solus