Bibliothek der Dinge

Einführung zu den Buchobjekten

Die Buchobjekte verwandeln das traditionelle Medium des Buches in einen vielschichtigen, sinnlich erfahrbaren Bild- und Erinnerungsraum. Anders als das klassische Buch, das Sprache und Bild der Erzählung unterordnet, treten hier Materialien, Strukturen und Relikte in den Vordergrund. Sie werden zu Trägern einer Bedeutung, die sich nicht über lineare Lektüre, sondern über Anschauung und Assoziation erschließt.

Die Werke knüpfen an frühe Sammlungsformen wie Herbarien oder Reliquienkästen an und erinnern zugleich an intime Gedenkrituale wie Poesiealben. Doch sie unterlaufen diese Traditionen, indem sie Objekte, Fragmente und Zeichen in neue, oft widersprüchliche Kontexte stellen. Das Sichtbare verweist auf das Unsichtbare, auf Erinnerungen, auf kulturelle und persönliche Schichten.

So entstehen Buch-Reliefs, die zwischen Archiv und Reliquie, zwischen wissenschaftlicher Ordnung und poetischem Rätsel oszillieren. Sie machen das Buch zu einem Erfahrungsobjekt, das weniger gelesen als ertastet, betrachtet und imaginiert werden will.

 

  • Rote Bücher in einem Kasten, auf dem eine Opossumskulptur liegt.
    Poetisches Alphabet
    1988
    B ca. 55 cm