“Jesus Christus als Perpetuum Mobile oder die Vermessenheit einer Idee”

Jesus Christus als Perpetuum Mobile oder die Vermessenheit einer Idee

Im Sommer 2005 stieß ich auf einem Flohmarkt in Eupen auf ein Kruzifix, montiert auf Zahnrädern – ein absurdes Bild eines Religionsmechanismus. Diese Mechanik ließ mich an das Perpetuum Mobile denken: eine Maschine, die aus sich selbst unaufhörlich Energie erzeugen soll, eine alte Illusion der Wissenschaft.

Auch die katholische Kirche funktioniert wie ein solches Perpetuum Mobile: ein sich selbst antreibendes System, das seine Macht seit Jahrhunderten aus Ritualen, Dogmen und einer behaupteten göttlichen Energie speist. Sie beansprucht ewige Gültigkeit, produziert unablässig Bewegung und Expansion – ungeachtet der Grausamkeiten, die im Namen der Christianisierung verübt wurden.

Doch wie beim Perpetuum Mobile bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Woher kommt die Energie? Der Katholizismus lebt nicht aus sich selbst, sondern aus Ausbeutung, Unterdrückung und Angst. Seine Zahnräder greifen ineinander wie in einer Maschine der Macht, die das Göttliche in ein ideologisches Konstrukt verwandelt.

Das Kruzifix auf Zahnrädern wird so zur Metapher einer Kirche, die sich als ewiger Motor versteht – doch in Wahrheit ein Konstrukt ist, das ohne ständige Opfer längst stillstehen würde.

Michael Schulze, März 2006

 

JESUS CHRISTUS ALS PERPETUUM MOBILE ODER DIE VERMESSENHEIT EINER IDEE, 2005, manuell- kinetisch, Durchmesser 120 cm