Die rund eineinhalb Meter hohen Reliefs zeigen Schreibmaschinen, die sich in Körper, Tiere, Pflanzen und hybride Wesen verwandeln. Einst Apparate der Sprache und Verwaltung, erscheinen sie nun als Organismen und Ritualobjekte – poetisch, grotesk und kritisch zugleich.
Aus den Tasten wachsen Blüten, Schädel oder Masken. Die Maschine wird zum Bildträger für Macht und Mythos, Gewalt und Poesie. Jede Arbeit lotet das Spannungsfeld von Technik, Sprache und Körper aus und macht sichtbar, wie eng Bürokratie, Krieg, Literatur und Begehren miteinander verwoben sind. So entsteht ein Tableau, in dem die Schreibmaschine selbst zur Erzählerin wird – ein Totem der Moderne, zwischen Faszination und Unheimlichkeit
“Gloria”
Eine schwarze Schweinsgestalt, geöffnet, ausgehöhlt, gefüllt mit Fleisch – ein doppeltes Schwein, ein Schwein im Schwein. „Gloria“ zeigt die Mechanik der Obsession: wie Pornografie konsumiert, wiederkäut, reproduziert. Die Maschine der Lust funktioniert wie eine Schreibmaschine: Sie hämmert, sie wiederholt, sie produziert unersättlich.
Die Arbeit verweist auf die Verwandlung des Körpers in Ware, auf die Ästhetik der Übertreibung, der Wiederholung, der Verdinglichung. „Gloria“ ist ein sarkastisches Exponat – ein Tierkörper als Metapher für das menschliche Begehren, das in der industriellen Bildproduktion der Pornografie immer wieder verschlungen und ausgeschieden wird.
Ein Bild der Exzesse einer Kultur, die im Schwein das Heilige wie das Abscheuliche zugleich erkennt – und darin sich selbst.
“16 ooo oo1 “
Bei Erdarbeiten nahe meines Ateliers in der Berliner Kulmerstraße kam ein deutscher Stahlhelm zutage – ein Relikt des Krieges, das ich in meine Arbeit integrierte. Ergänzt um einen Punkt zur Zahl der geschätzten 16 Millionen zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs, wird daraus „16 000 001“: ein Zählen ins Absurde, eine individuelle Zahl gegen die anonyme Masse.
Die Schreibmaschine, der Helm und ein Findling verbinden sich zu einer bitteren Metapher: Befehl und Gehorsam, Krieg und Statistik, Maschine und Mensch.
Eine Mechanik, die tötet und zählt – und im Zählen das Töten zugleich zum Verschwinden bringt.
“Continental”
Aus der alten Schreibmaschine wächst Holz, Rinde, Natur – als wäre das Papier wieder zu seinem Ursprung zurückgekehrt. Im Herzen sitzt die Eule, Wächterin der Nacht, Sinnbild von Stille, Wissen und Verwandlung.
Die Maschine wird zum Träger einer romantischen Geschichte: vom Warten auf die Dunkelheit, von der Sehnsucht nach dem Moment, in dem Sprache schweigt und Bilder aufsteigen.
„Continental“ erzählt nicht von Technik, sondern von Erinnerung und Dämmerung, vom Pochen des Lebendigen im Material, das einst Baum war.
“Trivalwurm”
Aus der Schreibmaschine wächst ein Wurm, ein verzerrter Ouroboros, der sich in endloser Schleife selbst verschlingt. Sein Leib ist überzogen mit den bunten Bildern der Groschenromane, Ikonen einer billigen Sensationslust.
Hier wird das Triviale zum Organismus, zur Kreatur, die sich nur vom eigenen Abfall nährt. Die Massenliteratur, deren Worte sich im Immergleichen erschöpfen, gebiert ein Wesen ohne Erinnerung, ohne Zukunft.
„Trivialwurm“ ist damit mehr als ein Objekt – er ist eine Allegorie auf die Kulturindustrie: die endlose Produktion von Bildern, Mythen und Geschichten, die nur den eigenen Kreislauf stabilisieren. Unterhaltung als Selbstfressen.
“Wächter und Hund”
Metallene Formen wachsen wie Organismen aus der Schreibmaschine empor – eine technoide Vegetation, die längst ein Eigenleben entwickelt hat. Aus Kühlergittern und Maschinenteilen bilden sich Köpfe, Schnauzen, Masken: Wächterfiguren, halb Mensch, halb Tier.
Das Werk erzählt von der Verwandlung der Technik in Natur – oder vielmehr von einer Natur, die nur noch als Technik erscheint. Die „Vegetation“ aus Stahl und Aluminium ist ein neuer Mythos: Pflanzen, die nicht atmen, sondern kontrollieren; Tiere, die nicht jagen, sondern überwachen.
„Wächter und Hund“ ist damit auch ein Bild der Gegenwart: der Maschinen, die uns begleiten, schützen, steuern – und zugleich eine Allegorie auf Macht und Unterordnung. Der Hund als Symbol des Gehorsams, der Wächter als Symbol der Herrschaft.
Die Schreibmaschine am Grund wird zur Urszene dieser Mutation: Sprache gebiert Technik, Technik gebiert Kontrolle – und aus den Wörtern wächst eine Vegetation, die den Menschen überragt.
“Gläserne Blüten”
Aus der Schreibmaschine wächst ein Geflecht aus Halmen und Röhren, durchscheinend wie ein künstliches Herbarium. In ihnen stecken Blätter, Federn, Fragmente – konservierte Spuren von Natur, die wie Reliquien in Glas erstarren.
Das Werk evoziert die uralte Sehnsucht, Natur zu bewahren und festzuhalten – so, wie Botaniker Blüten pressen oder Forscher Proben in Ampullen versiegeln. Doch zugleich ist es ein Bild der Ambivalenz: die Schönheit wird bewahrt, indem sie dem Leben entzogen wird.
„Gläserne Blüten“ ist damit ein Paradox der Moderne: Der Mensch will die Natur verewigen, doch verwandelt sie in Archiv und Zitat. Was bleibt, ist eine stille Ikonographie des Verlustes – die Blume, die nicht mehr welkt, ist auch die Blume, die nicht mehr blüht.
Am Grund steht die Schreibmaschine: Sprache als Konservatorium, das die Welt beschreibt, einfasst, fixiert. Doch wie die Glasröhren bleibt auch sie nur Hülle – ein Versuch, dem Vergänglichen Dauer zu verleihen.