Transformationen

The “Rubber Glove Formation” (1975/76, polyurethane, cords, brackets, approx. 50 cm) is one of the early experimental works in which organic processes and technical constructions collide. The objects are reminiscent of constricted bodies, organs, or larval stages that are simultaneously growing and bound. The polyurethane material, cast into fabric sheaths, deformed, and fixed, creates a surface that oscillates between skin, membrane, and artificial shell.

The works resemble biological experiments or medical specimens frozen between life and petrification. The cords and brackets reinforce the impression of being held captive, restrained—a moment of control, but also of constraint. This tension becomes even more apparent in the accompanying drawings: The forms branch out, reminiscent of anatomical studies, but also of surrealist fantasies of the body.

The “rubber glove formation” thus alludes to the fragility and manipulability of the organic. It addresses the relationship between growth and limitation, between physicality and technical shaping – an early artistic reflection on what would later be discussed under the term biopolitics.

GUMMIHANDSCHUH-FORMATION, 1975/76, Polyurethan, Schnüre, Konsolen, ca. 50cm

GUMMIHANDSCHUH-FORMATION, 1975/76, Polyurethan, Schnüre, Konsolen, ca. 50cm
Organische Verwandlung der GUMMIHANDSCHUH-FORMATION, 1976, Bleistift, Buntstift, 59×42 cm
Organische Verwandlung der GUMMIHANDSCHUH-FORMATION, 1976, Bleistift, Buntstift, 59×42 cm

Damit setzt sich bereits ein Leitmotiv durch, das in den späteren Werkgruppen weiter entfaltet wird – das Verhältnis von organischer Form und technischer Begrenzung, von lebendigem Wachstum und gewaltsamer Fixierung. Die „Ballonblüten“ stehen am Übergang zwischen Natur und Konstruktion: Sie sind einerseits poetische Blütenmetamorphosen, andererseits Vorwegnahmen jener Körpermaschinen, die in den kinetischen Skulpturen der achtziger Jahre Gestalt annehmen. Hier wird das Lebendige nicht nur beobachtet, sondern auch modelliert, gebändigt, in eine künstliche Ordnung überführt.

So verweist die „Transformation Ballonblüten“ bereits auf die späteren Themen des Werks – die Durchdringung von Natur und Technik, die Fragilität des Organischen unter Bedingungen der Kontrolle, die Möglichkeit, in hybriden Formen neue Sinnbilder für Körper, Wachstum und Vergänglichkeit zu schaffen.

BALLONBLÜTEN, 1973, diverse Materialien, 10×12 cm
Transformation BALLONBLÜTEN, 1973, Bleistift auf Karton, 59×42 cm

BALLON-TRANSFORMATIONEN, 1973, Bleistift auf Karton. 59x41cm

Die Zeichnungen „Vagina Dentata“ und „Penis Pneu“ (beide 1973) gehören zu den radikaleren Arbeiten jener frühen Schaffensphase. Mit großer zeichnerischer Präzision wird hier das Sexuelle nicht in seiner erotischen oder idealisierten Dimension gezeigt, sondern als ein Feld von Bedrohung, Mechanik und symbolischer Überformung.

In der „Vagina Dentata“ verschränkt sich die Form einer geöffneten Vulva mit einem gezähnten Schlund – eine uralte mythische Metapher für die Angst vor Weiblichkeit, Sexualität und Verschlingen. Hier wird der Körper nicht als Quelle von Lust, sondern als ambivalenter Ort von Macht, Gefahr und Verunsicherung dargestellt. Der feine Strich verleiht der Darstellung fast wissenschaftliche Kühle, was den Schrecken der Symbolik nur verstärkt.

Der „Penis Pneu“ stellt das männliche Geschlechtsorgan in eine technische und zugleich groteske Szenerie: Gürtel, Reißverschluss, Verschlingungen und mechanische Elemente lassen das Glied weniger als Körperteil, sondern als gefesseltes, kontrolliertes oder sogar deformiertes Objekt erscheinen. Der Titel weist auf eine künstliche, aufgepumpte, ja inflationäre Männlichkeit hin – zugleich verletzlich und lächerlich.

Beide Blätter sind als komplementäre Arbeiten zu lesen: Sie verhandeln Sexualität als kulturelles Spannungsfeld von Angst, Macht, Tabu und Projektion. In der Gegenüberstellung zeigt sich, dass Geschlechtlichkeit hier nicht biologisch gedacht ist, sondern als symbolisch aufgeladene Zone, in der sich gesellschaftliche Machtverhältnisse und tief sitzende Ängste spiegeln.

VAGINA DENTATA, 1973, Bleistift auf Karton, 59×42 cm
PENIS PNEU, 1973, Bleistift auf Karton, 59×42 cm