Allegorie auf den Fortschritt

EISENWALZWERK, Adolf Menzel, 1872-1875, Alte Nationalgalerie Berlin, 1.6 x 2,6 m

„Allegorie auf den Fortschritt“ (1983/84)

Adolph Menzels monumentales Gemälde „Eisenwalzwerk“ von 1875 ist ein Sinnbild des industriellen Aufbruchs: das Pathos der Arbeit, die Glut des Eisens, die Körper der Arbeiter im Rhythmus der Maschinen. Menzel fasst die Dynamik einer Epoche in einem Bild zusammen, in dem Fortschritt, Schweiß und technischer Rausch verschmelzen.

Die plastische Arbeit „Allegorie auf den Fortschritt“ (1983/84) greift diesen historischen Bezug auf, überführt ihn jedoch in die Gegenwart – oder besser: in die materialisierte Reflexion einer Zukunft. Aus den Arbeitern Menzels sind hybride Figuren geworden, zusammengesetzt aus Maschinenteilen, Schrott, Eisen, mechanischen Fragmenten. Körper und Maschine sind ununterscheidbar verschmolzen, der Mensch existiert nur noch als Rest, als Skeletthülle, als Zitat.

So wird die ursprüngliche Glorifizierung des industriellen Aufbruchs in eine kritische Metapher verwandelt: Fortschritt erscheint nicht mehr als heroisches Pathos, sondern als ambivalente, ja zerstörerische Kraft. Die „Eisenwalzwerker“ der 1980er Jahre sind keine Träger des Aufschwungs mehr, sondern Allegorien auf Entfremdung, technokratische Erstarrung und die Schattenseiten einer Metropolenentwicklung, die den Menschen in den Mechanismus einspeist.

Dass die Arbeit im Rahmen der Ausstellung „Die Zukunft der Metropolen“ (1984, TU Berlin) gezeigt wurde, ist dabei ein programmatischer Kontext: hier wird deutlich, dass die Geschichte des Fortschritts nicht linear gelesen werden darf, sondern gebrochen, mit Blick auf ihre Folgen.

 

 

„ARBEITER“ AN DER „LUPPE“

Zeichnungen und Prozesse zu ALLEGORIE AUF DEN FORTSCHRITT

  • Skizzen nach Adolph Menzels EISENWALZWERK, 1983/84, Tusche mit Pinsel auf Papier,44x30 cm
    SKETCHES ON MENZELS „EISENWALZWERK“, 1983/84, BRUSHED INK ON PAPER, 44 X 30 cm