Stadtratte

„STADTRATTE“ (1984)

Die Installation STADTRATTE entstand 1984 in einem stillgelegten Fabrikraum in der Berliner Schinkestraße. Im Zentrum: eine überlebensgroße Ratte, konstruiert aus Restmaterialien, deren Kopf aus einem Rinderschädel gebildet ist. Der Körper wirkt zugleich wie Kadaver und Maschine; aus seiner aufgebrochenen Flanke quellen tentakelartige Gebilde, die an Rhizome oder Eingeweide erinnern. Ergänzt wurde die Skulptur durch 25 lebende Ratten, die das Monumentale des toten Körpers durch ihre Beweglichkeit konterkarierten.

Im industriellen Raum, einem Ort rationaler Arbeit und Disziplin, erscheint dieses Tier als Gegenbild: Symbol des Abfalls, der Zersetzung, der widerständigen Überlebenskunst. Kristevas Begriff des Abjekten beschreibt die Wirkung präzise: Das Verdrängte – Schmutz, Tod, Ungeziefer – wird hier monumentalisiert. Gleichzeitig verweist das rhizomatische Innere auf Deleuze/Guattari: ein wucherndes, unkontrollierbares Leben.

So verwandelt die Stadtratte den Fabrikraum in ein postindustrielles Territorium des Abjekten. Sie wird Allegorie einer urbanen Existenzform: parasitär, ungebändigt, rhizomatisch – und damit radikales Gegenbild zur Ordnung von Sauberkeit, Produktivität und Disziplin.

Installation “STADTRATTE”, 1984, diverse Materialien, plus 25 lebenden Ratten. Hier: Schinkestrasse, Berlin

Installation, FBK-Berlin
INSTALLATION, FBK (FREIE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG)

Installation, FBK-Berlin
INSTALLATION, FBK (FREIE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG)

Zeichnungen zur “STADTRATTE”, 1984, Bleistift auf Karton, Transparentpapier, je 40×30 cm

Modelle zur “STADTRATTE”, 1984/85, Wachs, Leinen, Sand, 50×28 cm